DIABETES UND BEWEGUNG

Studie der Woche KW28/2022

2019 habe ich meine Bachelorarbeit geschrieben. Darin habe ich mich befasst mit den „Auswirkungen von Lebensstiländerungen auf das Risiko von Insulinresistenzen und/oder Diabetes mellitus Typ 2„.

Aus meiner damaligen Arbeit möchte ich eine spannende Studie zum Thema Bewegung bei Diabetes vorstellen.
Als kleiner Teaser vorab: Kleine Veränderungen über lange Zeit sind super mächtig und steter Tropfen höhlt den Stein!

Nun aber zur Studie…

Walking prescription of 10 000 steps per day in patients with type 2 diabetes mellitus: a randomised trial in Nigerian general practice.
Fayehun AF, Olowookere OO, Ogunbode AM, Adetunji AA, Esan A. British Journal of General Practice
Februar 2018

Diese Studie befasste sich mit der Umsetzung von Lebensstilveränderungen im Praxisalltag, so dass Patienten nicht nur unter Laborbedingungen davon profitieren können. Dafür wurde eine einfache Bewegungsintervention, ein „Gehrezept“, eingeführt. Da viele Patienten langfristig daran scheitern, einen aktiveren Lebensstil durch strukturiertes regelmäßig Training in ihren Alltag zu integrieren, sollte hier ein einfaches Rezept für den Alltag getestet werden.

Die Studie wurde zwischen Juni und November 2014 an der allgemeinen Ambulanz des University College Hospital in Ibadan, Nigeria, durchgeführt. 46 erwachsene Typ-2-Diabetiker im Alter zwischen 18 und 64 Jahren, bei denen vor mehr als einem Jahr Diabetes mellitus Typ 2 diagnostiziert worden sein musste, wurden rekrutiert. Ausgeschlossen wurden Schwangere, Raucher und Personen, deren Gehfähigkeit eingeschränkt war.

Die Intervention sah folgendermaßen aus: Die Probanden der Interventionsgruppe wurden dazu angewiesen, am Tag 10.000 Schritte zu gehen, während die Kontrollgruppe ihren normalen Alltagsaktivitäten nachging. Gemessen wurde jeweils mit einem, an der Taille montierten, Schrittzähler.

Randomisiert wurde die Gruppenzuteilung blind durch versiegelte undurchsichtige Umschläge. So wurden jeweils 23 Probanden den beiden Gruppen zugeordnet.

Bewertet wurde primär der HbA1c-Wert als Maß für die langfristige Blutzuckerkontrolle und sekundär die erreichte Schrittzahl.

Was waren nun die Ergebnisse dieser Studie?

Die Interventionsgruppe erreichte durchschnittlich 2913 Schritte pro Tag über den gesamten zehnwöchigen Untersuchungszeitraum (p=0,001).

Der mittlere HbA1c-Wert zu Beginn der Studie betrug bei allen 46 Probanden 6,6%. Am Ende lag dieser im Schnitt bei der Interventionsgruppe um 0,74% niedriger als bei der Kontrollgruppe (p=0,015).

Andere Parameter wie Gewicht, Taillenumfang, Blutdruck und Herzfrequenz waren bei der Enduntersuchung zwischen beiden Gruppen nicht signifikant verändert.

Wie ist dieses Ergebnis nun zu bewerten?

Es konnte in der Studie gezeigt werden, dass selbst eine geringe Änderung des Lebensstils hin zu mehr Bewegung im Alltag eine signifikante Verbesserung des HbA1c-Wertes bewirken konnte.

Jedoch hat sich über den Studienzeitraum auch gezeigt, dass nur ein geringer Teil der Interventionsgruppenteilnehmer (6,1%) die Einhaltung der erwünschten 10.000 Schritte pro Tag erreichte. Trotz allem lässt sich daraus schlussfolgern, dass auch eine geringe Erhöhung der täglichen Schrittanzahl eine positive Wirkung zeigt und damit ein gesundheitlicher Vorteil erzielt werden kann.

Diskutiert wird, dass ein längerer Untersuchungszeitraum u.U. auch andere anthropometrische Veränderungen (z.B. Gewicht und Taillenumfang) gezeigt hätte.

Mein persönliches Statement zu den Studienergebnissen

Wie Du siehst, ist es gar nicht wichtig, dass man von einem Tag auf den anderen sein komplettes Leben umkrempelt und den ganzen Alltag umstrukturieren muss. Lediglich ein wenig mehr Bewegung, konstant über einen längeren Zeitraum und schon sieht man messbare und nachhaltige Veränderungen in der Blutzuckerkontrolle.
…und was sind schon 3000 Schritte am Tag? Auf eine durchschnittliche Schrittfrequenz gerechnet sind das nur etwa 2,4 Kilometer.
Wie lange braucht man denn im Durchschnitt dafür? Wenn Du die 2,4 km am Stück gehen möchtest, brauchst du zwischen 30 und 45 Minuten.
Doch wichtig! Es zählen die Schritte über den ganzen Tag. Das heißt: Du sammelst von morgens nach dem Aufstehen bis abends vor dem Zubettgehen Deine Schritte ein.
Jedes moderne Smartphone verfügt über einen Schrittzähler, also nutzen diesen doch einfach, um ein Gefühl für Dein Bewegungsverhalten im Alltag zu bekommen!

3000 Schritte ganz konkret (Quelle):

  • Münchner Hauptbahnhof bis Marienplatz
  • Hamburger Hafenstraße bis zum Michel
  • Piccadilly Circus bis Buckingham Palace in London
  • Isle de la Cité bis Centre Pompidou in Paris
  • Kolosseum bis Pantheon in Rom

Solltest Du nun neugierig sein und möchtest mehr zum Thema erfahren, dann kannst Du Dir die erwähnte Studie selbst im Detail anschauen oder mir einen Kommentar unter dem Beitrag hinterlassen (oder eine Mail an info@naturheilpraxis-geiwagner schicken) oder aber den Abstract meiner Bachelorarbeit lesen (siehe unten).

Zusammenfassung meiner Bachelorarbeit:

Abstract

Hintergrund

Insulinresistenzen und Diabetes mellitus Typ 2 nehmen weltweit stark zu und zählen zu den großen Zivilisationskrankheiten. Durch die steigende Prävalenz steigen die Kosten im Gesundheitssystem. Hieraus ergibt sich die Frage, ob Lebensstilinterventionen eine wirksame Therapiemöglichkeit sein können.

Methoden

Um passende Studien zu finden, wurde vor allem mit „Pubmed“ gearbeitet. Um eine möglichst hohe Aktualität gewährleisten zu können, wurden die Suchergebnisse so gefiltert, dass sie sich auf den Zeitraum 01/2018 – 10/2019 beziehen. Um die Studien bzgl. ihrer Qualität bewerten zu können, wurde das Consort-Statement verwendet. Anschließend folgte eine vergleichende Analyse.

Ergebnisse

Alle ausgewählten Studien zeigten positive Veränderungen bei Erkrankten an Diabetes mellitus Typ 2 oder bestehender Insulinresistenz. Interventionen sowohl im Bereich einer Ernährungsumstellung, als auch einer Erhöhung der körperlichen Aktivität waren wirksam.

Bewertung/Konklusion

Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass Lebensstilinterventionen ein einfaches Mittel sein können, um wirkungsvoll eine Diabetestherapie zu unterstützen. Meist sind diese außerdem einfach anwendbar und können sogar in Regionen mit schlechter medizinischer Versorgung durchgeführt werden.


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