LESEN ALS MEDIZIN

Hi und herzlich willkommen zu meinem ersten Blogbeitrag!

Wenn Ihr das hier lest, tut Ihr Euch etwas Gutes! – was ist damit wohl gemeint…?

Zwischen all den sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Twitter bleibt heutzutage kaum noch Zeit, sich ganz altmodisch einem Buch zu widmen. Durch die vielen Informationen und Sinneseindrücke, die tagtäglich auf uns einprasseln, wird unser Gehirn durch das Bombardement aus kurzlebigen An- und Aufregungen überlastet. Dies kann uns nicht nur psychisch, sondern auch physisch aus dem Gleichgewicht bringen.

Wissenschaftler und Ärzte haben dagegen die immense Kraft der Bücher wiederentdeckt. Dabei zeigt sich: Lesen ist Medizin!

Über der antiken Bibliothek von Alexandria stand die altgriechische Inschrift PSYCHES IATREION. Dies bedeutet so viel wie Heilstätte der Seele. Der griechische Philosoph Aristoteles schrieb in seinem Werk Poetik, dass tragische Theatervorstellungen das Publikum erleichtern oder heilen können, indem sich das Publikum mit dem leidenden Helden identifiziert und seine Konflikte nachfühlt. Im Idealfall überwindet der Zuschauer dadurch sein eigenes Unwohlsein und verlässt das Theater erleichtert. Aristoteles beschrieb das Mitleiden als reinigenden Effekt.

Nicht nur Literatur, sondern auch die Wirkung der Sprache selbst auf den Menschen ist bahnbrechend.

Friedrich II. machte seinerzeit ein grausames Experiment. Er ließ Kinder unter völligem Sprachentzug aufwachsen. Als Freund der Wissenschaft, versuchte er dadurch, die natürliche Sprachentwicklung zu entdecken. Das Experiment endete tragisch. Innerhalb weniger Jahre starben alle Kinder vermutlich durch den Mangel an Zuwendung und Ansprache. Die Erkenntnis daraus ist, dass vor allem soziale Interaktion durch Sprache für uns Menschen wichtig ist.

 

Miteinander sprechen ist existenziell

Es ist existenziell für uns, miteinander zu sprechen. Dies ist in etwa so bedeutend wie das soziale Entlausen bei vielen Affenarten. Der entscheidende Faktor ist der Perspektivenwechsel, wenn man sich emphatisch in die andere Person hineinversetzen kann. Für diese wichtige Fähigkeit haben wir konkrete neurologische Grundlagen, die sog. Spiegelneuronen. Das Besondere an diesen Nervenzellen ist, dass sie nicht nur arbeiten und Informationen weiterleiten, wenn wir selbst etwas tun, sondern auch, wenn wir unseren Gegenüber bei einer Tätigkeit beobachten oder uns davon erzählt wird. Wenn bei einer Erzählung unsere Spiegelneuronen aktiv werden, fühlen wir uns ein wenig, als würden wir das Erzählte selbst erleben. Dies nennt man neuronales Resonanzsystem. Es ermöglicht uns, in die Welt einzutauchen, von der wir lesen. Auch dann arbeiten unsere Spiegelneuronen. So ist es durchaus keine Seltenheit, dass wir beinahe am eigenen Leib spüren, was der Protagonist empfindet, wenn er seine Erlebnisse schildert. Wir können vollständig in eine andere Welt eintauchen, bis sie uns präsenter vorkommt als die Realität.

 

Worte haben magische Wirkung

Millionen von Menschen kennen die fesselnde Geschichte um Harry Potter. Der Schulleiter aus dem Zauberepos sagt einmal: “Worte sind die ursprünglichste Form der Magie!”.

Zu allen Zeiten und in allen Kulturkreisen glaubten und glauben Menschen an die magische Wirkung von Wörtern. In jeder Sprache gibt es Gebete, Wünsche, Flüche, Segnungen oder Mantras. Dies hat nicht nur vordergründig mit Glauben oder Aberglauben zu tun. Wörter können in Menschen immense Wirkung entfalten – von großer Freude über äußerste Entrüstung bis hin zu tiefer Trauer. Auch unsere eigenen Emotionen lassen sich über Wörter steuern. So kann ein beherzter Fluch über eine andere Person verhindern, dass wir ihr an die Gurgel gehen.

Die amerikanische Psychologin Joan Snodgrass spricht von einem magischen Moment, in welchem das Gehirn die Bedeutung eines Wortes entziffert und mit einer Vielzahl von Assoziationen verknüpft. In einem Experiment mit Studenten konnte sie diese Hypothese stützen. Den Studenten wurden stark verpixelte Wörter gezeigt, die nach und nach sichtbar wurden. Alle Probanden berichteten von einem plötzlichen Sturm der Gefühle in dem Moment, als sie das Wort entziffern konnten. Dieses Experiment zeigt, dass unser Gehirn einen Begriff mit Emotionen verknüpft, bevor wir ihn bewusst erkennen.

 

Worte gehen unter die Haut

Manche Wörter gehen uns unter die Haut. Einige von ihnen bewirken direkt bestimmte unwillkürliche Körperfunktionen.

Berliner Wissenschaftler fanden heraus, dass positive Begriffe wie “Glück” und “Freiheit” bei den meisten Probanden zu einer Erweiterung der Pupillen führten, während negative Begriffe die Pupillen verengen und den Puls beschleunigen.

Hypnose ist ein bekanntes Verfahren, bei dem Wörter genutzt werden, um körperliche Reaktionen zu steuern. Genauso wie jede Form des Gebetes oder der Meditation durch Mantras ist es durch die Macht des Wortes möglich, uns in Zustände tiefer Entspannung zu versetzen.

 

Lesen als Therapie

Eines der ersten Therapieverfahren, das die Patienten erzählen ließ, um psychische Probleme zu behandeln, war die Psychoanalyse von Siegmund Freud. Freud verstand psychische Beschwerden als eine Reaktion auf einen unbewussten Bruch im Lebenstext des Patienten. Indem der Betroffene ausführlich von seinen Erlebnissen berichtet, werden ihm seine Traumata bewusst. Es wird Teil seiner Lebensgeschichte. Nach dieser Bewusstmachung kann der Patient das Schicksal annehmen und die Symptome überwinden.

Inzwischen weiß man, das Lesen eine ebenso heilsame Wirkung entfalten kann. Diese Methode nennt man Bibliotherapie. Durch den emotionalen Bezug zum Gelesenen entsteht beim Leser eine Projektionsfläche, auf der er seine eigenen Probleme schärfer wahrnehmen und dadurch einfacher darüber sprechen kann.

In Skandinavien und den USA ist die Bibliotherapie seit langem etabliert und auch in Deutschland gibt es inzwischen eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Bibliotherapeuten.

 

Lesen in deutschen Krankenhäusern

In Deutschland gibt es 241 Krankenhausbibliotheken. Der Zugang zu Büchern soll die Patienten aus der Tristesse und Langeweile des Krankenhausalltags befreien und so zu ihrer Genesung beitragen. Wie vorher schon dargestellt, ist es offensichtlich, dass Bücher helfen können, Stress abzubauen.

In vielen Studien wurde nachgewiesen, dass unsere innere Einstellung den körperlichen Heilungsprozess begünstigen oder behindern kann. Eine neuseeländische Studie zeigte, dass einfache Schnittwunden bei Patienten signifikant schneller heilten, wenn diese wenig Stress empfanden.

Nicht nur für Patienten, sondern auch für Ärzte und Therapeuten können Geschichten wertvoll sein. So wurde von der Medizinprofessorin Rita Charon die Narrative Medicine entwickelt, um Therapeuten zu helfen, die Vielschichtigkeit der Patientengeschichten besser zu begreifen. Durch diese Methode werden Patienten nicht nur zu ihren Symptomen befragt, sondern ganzheitlicher. So kann durchaus der Auslöser beispielsweise eines Magengeschwürs in psychischem Stress zu suchen sein.

In der chinesischen Medizin ist dies elementarer Bestandteil der Diagnostik.

Wenn Du nun das nächste Mal krank bist, schnapp’ Dir ein Buch oder lies alternativ meinen Blog. Das hilft nicht nur zur Ablenkung, sondern kann auch noch zum Genesungsprozess beitragen.

 

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9 Comments

  • Christel
    31. Januar 2020

    Gratuliere zu diesem wunderbaren Artikel. Eine super Idee, Patienten auf diese heilsame Möglichkeit aufmerksam zu machen. Weiter so! Freue mich schon auf den nächsten Blog.

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    • Johannes Geiwagner
      31. Januar 2020

      Das freut mich sehr!
      Der nächste Beitrag ist schon in Arbeit!
      Viel Spaß weiterhin beim Lesen.

      Reply
  • Höckmayr Chr.-L.
    31. Januar 2020

    Dieser Blog hat mich sehr beeindruckt. Dass Lesen eine derart positive Wirkung auf die Gesundheit hat, wurde mir erst jetzt bewusst. Bin schon gespannt auf den nächsten Blog.

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    • Johannes Geiwagner
      31. Januar 2020

      Danke für das positive Feedback!
      Ich versuche auch weiterhin Beiträge zu interessanten Themen zu schreiben!

      Reply
    • L. Throm
      31. Januar 2020

      Beim Lesen dieses Blogs spüre ich die Begeisterung des Schreibers für diese Thematik. Dass LESEN einen derart vielfältigen Einfluss auf unsere Gesundheit nimmt, war mir nicht bewusst. Bin schon auf den nächsten Blog gespannt.

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  • NANA
    1. Februar 2020

    Nach dem Lesen des Beitrags habe ich mir ein persönliches “Rezept” verordnet: Digitale Medien bleiben an diesem Wochenende abgeschaltet! Das bestellte Buch: “Lesen als Medizin” wurde mir gerade zugestellt und so steht dem Lesen nichts mehr im Wege. Danke, für diesen “HEILsamen” Anstoß.

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    • Johannes Geiwagner
      2. Februar 2020

      Ich bin gespannt auf weitere Rückmeldungen und wünsche viel Spaß beim Lesen!

      Reply
  • Limalu
    2. Februar 2020

    Bin zufällig auf diese Website gestoßen und entdeckte den hochinteressanten Artikel „Lesen als Medizin“. Möchte noch mehr dazu erfahren und werde mir gleich das empfohlene Buch bestellen. Bin neugierig auf den nächsten Beitrag.

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  • Inge kneissl
    13. Mai 2020

    Spät, aber mit großer Freude habe ich diesen Eintrag gelesen. Meine Rede. Edlich ist unsere große Privatbuchsammlung gerechtfertigt. Es gibt viele tolle, spannende, lustige und berührende Bücher zum sich Wegträumen …. Das tut so gut. Menschen, die Bücher, Worte, Lieder lieben, können nicht wirklich böse sein. 😉

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